Und noch ein Grund mehr zum Schämen für Erziehungswissenschaftler. Nachdem der FU-Exzellenz-Fetischist Dieter Lenzen während der letzten konformistischen Rebellion deutscher Studierender nach Hamburg wechselte (siehe letzter Artikel, P.S. (2)) kommt nun der nächste autoritäre Charakter dieses Faches nach Berlin.
Der in Sachsen-Anhalt mittlerweile bei LehrerInnen, ErzieherInnen, ProfessorInnen, Studierenden, dem akademischen Mittelbau und noch vielen anderen vollkommen verhasste (Ex-)Kultusminister des Landes übernimmt die Spitze der Berliner Humboldt-Universität. Seine Vorstellungen von Elite, die denen eines in letzter Zeit hoch- und runtergenudelten Humboldt sehr nahe kommen dürften, lassen sich jedoch im Gegensatz zu diesen nicht so einfach vor dem historischen Kontext erklären und weisen auch kein überschießendes, progressives Moment auf.
Olbertz, der auf Lehramt studierte, um dananch eine ellenlange akademische und schließlich politische Karriere dranzuhängen, habilitierte zu „Akademischem Ethos und Hochschulpädagogik – eine Studie zu interdisziplinären theoretischen Grundlagen der moralischen Erziehung an der Hochschule“. Schon in der DDR, die die Auswahl von Eliten im Bildungsbereich bekanntlich ernstnahm, legte er offensichtlich die Grundlagen eines Konzeptes, das er im Juli vergangenen Jahres in Halle einer interessierten Öffentlichkeit präsentierte. Gemeinsam mit dem inkompetenten Rektor der Uni Halle, Wulf Diepenbrock, durfte er auf dem Podium des Zentrums für Schul- und Bildungsforschung eine Antwort auf die Frage „Brauchen wir Elitebildung?“ geben. Von gegenseitigem Schulterklopfen unterbrochen, legten beide Gäste dar, weshalb Elitenbildung unbedingt zu befürworten sei. Diepenbrock driftete jedoch ab und argumentierte unter Berufung auf das Hardy-Weinbergsche-Modell zum Erschrecken leider nur weniger Gäste, die Politik der Selektion der Nationalsozialisten sei abzulehnen, weil sie im übrigen gar nicht funktioniere (!!!), weshalb der Begriff nicht im Bildungsbereich anzuwenden sei (?). Olbertz lief jedoch zu Hochtouren auf und zeigte, weshalb er in der Theorie für politische Ämter in einer Demokratie gänzlich ungeeignet ist (- wie wir sehen aber nicht in der Praxis).
Jedes Land, so Olbertz, „braucht eine kleine Elite, die moralisch auf einem höheren Niveau ausgebildet sind, um das Volk zu führen“. Diese Elite müsse an den Universitäten eine sehr gute Ausbildung erhalten, um in den Bereichen Politik, Verwaltung und Wirtschaft Führungspositionen zu übernehmen. Mit kruden Beispielen aus Internaten und Co. leitete er her, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft habe, wobei für die Führung eben nur wenige bestimmt seien. Darauf müsse man die Reformierung der Universitäten in der gegenwärtigen Krise des Bildungssystems und vermasster Universitäten ausrichten.
Auf die Frage, ob nicht die Vorstellung einer kleinen, zum Führen bestimmten Elite, die eine bessere Ausbildung erhalten solle, als die gemeine Bevölkerung, vollkommen im Widerspruch zum Konzept der Demokratie stünden, reagierte er mit Unverständnis.
In Zeiten der Leadership-Seminare und -Sommerkurse scheint die Studierendenschaft der Humboldt-Universität, die während des konformistischen und ohne jegliche ernsthafte Kapitalismuskritik auskommenden Bildungsstreiks nicht mehr und nicht weniger einforderte, als die Gewährleistung ihrer Teilhabe am elitären Zirkel zukünftiger Eliten, nun einen Präsidenten bekommen zu haben, den sie verdienen.
Viel Spaß damit.
Die gute Studigemeinschaft fordert: Vater Staat, rette die reine Bildung gegen das böse Abstrakte!