Die gute Studigemeinschaft fordert: Vater Staat, rette die reine Bildung gegen das böse Abstrakte!

Die Studierendenproteste richten sich gegen die „Ökonomisierung“ unschuldiger Wissenshorte und blasen zum Verteidigungskampf für „ihre alma mater“. Dass ihr Reden und Tun die herrschenden Verhältnisse bestenfalls affirmiert und reproduziert, erkennen die AktionistInnen nicht. Einige Hinweise des Freundeskreises „Kritik verkürzter Kritik“

Neu: P.S. (1) – (9) und kommentierte Kommentare

1963 erinnerte sich Karl Jaspers an den Beginn seiner Studienzeit mit 18 Jahren: „Nichts schien mir großartiger als Universität. Alle Wahrheit lässt sich dort finden. Ich hatte das Glück, hervorragende Professoren zu sehen und zu hören, und gleichzeitig das Glück, noch völlig unreflektiert, ganz gewiss zu meinen, die Universität, das ist eine große, abendländische, übernationale Sache – wie die Kirchen. Da gehöre ich einer Gemeinschaft an, die mich nicht bindet an Staat und dergleichen, sondern da gehöre ich einer Gemeinschaft an, die nichts will als bedingungslos und uneingeschränkt Wahrheit.“

46 Jahre später scheint dieses „völlig unreflektiert[e]“ Verständnis von Universität und Hochschulbildung in nur leicht modifizierter Form auch bei tausenden „BildungsaktivistInnen“ vorzuherrschen, die nicht ohne Pathos auch dieser Tage zu Besetzungen, Demonstrationen und Sprechchor-Workshops laden: „Die alma mater brennt und braucht ihre Kinder!“ heisst es z. B. im besten Verbindungsjargon auf einschlägigen Blogs. Was wird von den AktivistInnen kritisiert? Der bundesweite Aufruf zum Bildungsstreik gibt Aufschluss:

„Weltweit sind Umstrukturierungen aller Lebensbereiche nicht mehr gemeinwohlorientiert, sondern den sogenannten Gesetzen des Marktes unterworfen. Seit ein paar Jahren ist auch das Bildungssystem in den Fokus solcher ‚Reformen‘ geraten […]. Der anhaltende Protest gegen Studiengebühren und Sozialabbau in den letzten Jahren hat bei den Verantwortlichen in Medien, Wirtschaft und Politik zu wenig Wirkung gezeigt. […] Dem Einfluss der maßgeblichen politischen und ökonomischen Interessen im Bildungsbereich setzen wir unsere Alternativen entgegen: öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft“.

Gerade eine Betrachtung der frühen Geschichte der Universitäten macht jedoch deutlich, dass diese natürlich immer schon ein Teil der Gesellschaft, immer unmittelbar herrschenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen unterworfen waren. Die – widersprüchliche und ungenaue – Dichotomisierung in Wirtschaft und Staat verkennt alle Basisbanalitäten von Ökonomie und Staatstheorie: die Aufgabe auch jedes staatlich organisierten Bildungswesens ist die Produktion von Fachkräften für den Arbeitsmarkt; die Aufgabe jedes Staates die Aufrechterhaltung und Stabilisierung des mal mehr und mal weniger regulierten Marktes. Eine im Angesicht wirtschaftlicher Krise unvermeidliche Reformierung auch des Bildungswesens muss vor dem Hintergrund der Zwänge herrschender Verwertungszusammenhänge analysiert und kritisiert werden, und nicht als Folge der Mißgunst oder böswilliger Pläne einzelner Firmen oder ManagerInnen, bzw. des falschen Handelns von PolitikerInnen, die angeblich eigentlich durchaus für ideale „selbstbestimmte“ und „emanzipatorische“ Bildungsräume sorgen könnten.

Doch völlig uneinsichtig angesichts solcher Überlegungen proklamieren die ProtestlerInnen „wir sind kein Humankapital“, um gleichzeitig – wahrscheinlich einfach unbewusst bzw. unreflektiert – bei Gesprächen mit Rektoren und PolitikerInnen ausgerechnet an Elemente der Verhältnisse zu appellieren, die für die kritisierten Zustände ursächlich sind. Doch ohnehin können die Studierenden es nicht lassen, den Standortfaktor ins Gespräch zu bringen, und aus dutzenden Aufrufen spricht die Empörung, an der „Massenuni“ um die eigene Sonderstellung als zukünftige intellektuelle Elite des Landes betrogen zu werden. Auch die „Streik“-Semantik verweist darauf, dass die angeblich von den AktivistInnen kritisierte Vorstellung von „Ausbildung“ von diesen längst internalisiert worden ist, werden doch eigene Lern- und Aneignungsprozesse „lahmgelegt“, diese also eindeutig nur als Humankapital zukünftiger Marktteilnehmer wahrgenommen. Widersprüchlich geht es weiter: Kündigen sie an, sie wollten „unsere Hörsäle nicht kampflos der Ökonomisierung an deutschen Hochschulen überlassen“, und kritisieren den Einfluss privatwirtschaftlicher Unternehmen auf das Bildungssystem, so bemängeln sie selbstkritisch, ihre Proteste hätten bei „Verantwortlichen in Medien, Wirtschaft und Politik zu wenig Wirkung gezeigt“. Ein vor Vollendung veröffentlichter Forderungskatalog deutscher BesetzerInnen spricht ohnehin Bände:

„Der Bachelor [soll] der berufsqualifizierende Abschluss sein. Doch nicht einmal dafür können ausreichend Fähigkeiten entwickelt werden. Dabei stellt sich doch die Frage, wie beispielsweise Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen so „für die Wirtschaft nützlich sein sollen.“> Rauslassen? Verwertungslogik argumentation ;-) [genau so im Original]

Einen Schritt weiter gehen da die österreichischen Studierenden, die im besetzten Wiener Audimax den antisemitischen Absurditäten eines Jean Ziegler johlenden Applaus spendeten, als der von der autonomen und freien Universität schwadronierte oder besser phantasierte, die 1789 und 1848 [!] entstanden sei, und die heute von der „Weltdiktatur“, der „Welttyrannei des globalisierten Finanzkapitals“ [!] zerstört werde, gegen welche wiederum organischer [!] Widerstand notwendig sei; konsequent verkürzt und damit strukturell antisemitisch auch die Organisierung von Silvio Gesell-Lesekreisen in besetzten Hörsälen bspw. in Halle – Gesell verbrachte seinen Lebensabend mit „Kameraden“ in einem völkisch-nationalsozialistischen Lebensreformprojekt.

Wenn die ProtestlerInnen von der „Entmündigung“ reden, die angeblich nun „mit der Immatrikulation einhergeht“, so idealisieren sie nicht nur die bisherigen Zustände im Bildungssystem, sie negieren vor allem die Komplexität, die Dialektik des Bildungs- und Wissensbegriffs. Die Universität war noch nie Hort freien und autonomen Strebens nach Wissen, die idealistischen Ideen Humboldts, die nun verschiedene AkteurInnen zu verteidigen glauben, waren die Ideen eines preußischen Untertanen, dessen Vorstellungen von Universitäten als staatlich protegierten Orten der „Einsicht in die reine Wissenschaft“ aufgrund der ihnen immanenten Negierung ökonomischer Verhältnisse bzw. Zwänge nie Realität werden konnten. Insofern ist es auch naiv, wenn das Publikum nach Vorträgen über die Tradition der Universitätsidee völlig ahistorisch in Erinnerungen an ein Ideal schwelgt, ohne die Universitätstradition vor dem Hintergrund ökonomischer und politischer Verhältnisse zu kontextualisieren. „Zu diesem Selbstaktus im reinen Verstande“ ist für Humboldt „Freiheit und hülfreich Einsamkeit“ notwendig, Kernpunkte seiner idealen Universitätsidee waren die Lehrfreiheit, die Einheit von Forschung und Lehre und die Komplementarität der Disziplinen. Gerade hier müsste heute jegliche Kritik der Entwicklungen im Bildungssystem durchaus ansetzen; zu den problematischsten zählt momentan das Ende der im Konzept verknüpfter Forschung und Lehre zumindest erzwungenen kritischen Selbstreflexion. Dass Henry Tesch (CDU), der Präsident der Kultusministerkonferenz, die Forderungen der Protestierenden als richtig und verständlich bezeichnete und in Konsequenz von ProfessorInnen an den Universitäten forderte, sie sollten sich „davon verabschieden, ihre speziellen Lehr- und Forschungsinteressen in den Vorlesungen unterzubringen“ [!] und flexibler werden, blieb von Seiten der Studierenden bezeichnenderweise unerwidert.

Nicht einmal konsequente Kritik innerhalb eines Denkgebäudes, das die herrschenden Verhältnisse affirmiert, ist zu vernehmen, also eine egoistische Verteidigung des humboldtschen Ideals gekoppelt an einen Kampf um mehr Pfründe für die Universitäten. Allenfalls kann man hier und da die Organisation von Runden Tischen und Sprechchor-Workshops beobachten, wo die JungpolitikerInnenkarriere forciert oder an der eigenen Rhetorik gefeilt werden kann. Das kritische Potential, was hier entwickelt wird, ist identisch mit jenem, das von „flexiblen“ ArbeitnehmerInnen heute in jedem Unternehmen gefordert wird – ernsthafte Überlegungen von ProtestlerInnen, ihr Pfadfinderkollektiverlebnis als ASQ-Modul Hochschulpolitik für den Bachelor anrechnen zu lassen, sprechen für sich. Die Infantilität und der Konformismus des Protests sind vielerorts mehr als ekelerregend. Der gesellschafts- oder kapitalistismuskritische Anspruch wird jedoch – sein Fehlen in allen Aktionen der AktivistInnen beflissen ignorierend – immer wieder von diesen betont und damit selbst ein die Zustände grundsätzlich affirmierender realpolitischer Anspruch der Lächerlichkeit preisgegeben.

Dem eigenen Unvermögen, konsistente und konsequente Kritik zu üben, wird u. a. so Ausdruck gegeben:

„Wissenschaftliche Bildung, egal in welchen Fachbereich, kann nicht nach dem fremdbestimmten schulischen System funktionieren und ebenso wenig nach betriebswirtschaftlichen Methoden. Eigenständiges kritisches Denken und Hinterfragen lässt sich nicht quantitativ bestimmen und auch nicht in €uro ausdrücken. Bildung ist kein Produkt und wir sind keine Konsumenten. Genauso wenig wie unsere DozentInnen und ProfessorInnen VerkäuferInnen von Wissensständen sind. Bildung lässt sich nicht stumpfsinnig auswendig lernen, bei Bedarf abrufen und einsetzen. Bildung ist mehr, ein öffentliches, ein humanitäres Gut [!], welches jeden Menschen frei zu Verfügung stehen muss.“ [Fehler unkorrigiert]

Wer aus dieser Zusammenschau von Phrasen und Schlagwörtern schlau wird, hat etwas falsch gemacht. Studierende werden hier als per se reflexive und mündige Menschen dargestellt, genauso wie ProfessorInnen an anderer Stelle als Vermittler von „Herrschaftsideologie“, als vermeintliche Sprachrohre kapitalistischer Unternehmen oder einfach „des internationalen Kapitals“ bezeichnet werden. Der dialektische Charakter von Bildung, die Tatsache, dass auch in einer falschen Vorlesung das für die richtige Kritik der herrschenden Verhältnisse notwendige Sachwissen erworben werden kann, die Feststellungen, dass der mündige Mensch nicht als solcher und außerhalb des (Bildungs)-Systems existiert, und dass die Befähigung, sich des eigenen Verstandes ohne Anleitung zu bedienen, eben erlernt werden muss – sie werden ignoriert. Der Aussage, Bildung sei kein Produkt, wird jene entgegengestellt, Bildung sei ein Gut – ein Schelm wer hier Widersprüchlichkeit und Unverständnis erkennt. Um auf den Stichwortgeber für das undialektische Gerede von „der Wissenschaft“, die zu retten und zu verteidigen sei oder die wahlweise zerstört, ökonomisiert oder dem Markt unterworfen werde, zurückzukommen: Schon Humboldt betonte, es gelte, „das Prinzip zu erhalten, die Wissenschaft als etwas noch nicht ganz Gefundenes und nie ganz Aufzufindendes zu betrachten, und unablässig sie als solche zu suchen“. Diese Banalität gilt es, den Protestierenden klarzumachen.

Doch vor allem muss – gegen den Bildungsprotest und für eine Kritik der Zustände im Bildungssystem – das Nachdenken über die gesellschaftlichen Verhältnisse eingefordert werden, die für diese Zustände ursächlich sind, und eine Kritik gesamtgesellschaftlicher Verhältnisse bzw. der herrschenden Verwertungslogik geübt werden. Den BesetzerInnen und AktionistInnen muss Johannes Agnoli entgegengehalten werden, der kritisierte, viele seien dazu übergegangen, „Missstände zu kritisieren und Missbräuche zu denunzieren, während es meines Erachtens gerade darauf ankommt, Zustände zu kritisieren und den normalen Gebrauch der Politik zu denunzieren“.

Freundeskreis „Kritik verkürzter Kritik“
Berlin-Halle-Göttingen-Potsdam
Kontakt: freundeskreiskritik@gmx.de

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P.S. (1): Weil es mails gab, die sich ausgerechnet am Klassenfahrt-Pfadfinderromantik-Vorwurf aufhängten, weil wir auch da offensichtlich ins Schwarze getroffen haben, hier ein echter [!] Auszug aus dem Protokoll des Plenums der BesetzerInnen des Audimax der Uni Potsdam (Bildungsstreik Potsdam):
„TOP 2: Es wurde per Flaschedrehen bestimmt, dass Sebastian das erste Türchen im Adventskalender aufmachen durfte. Im Kalender war eine Geschichte, für die eine Gruppenkuschelrunde vorgeschlagen wurde. In der sollen dann auch die Kekse verknuspert werden. Außerdem soll ein Ordner für die Weihnachtsgeschichte angelegt werden.“

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P.S. (2):
1. Lesen:
„Bildung, wenn sie wirklich Bildung sein soll, ist immer Selbstbildung und nicht Fremdbildung. Das heißt, Lernen ist ein autonomer Vorgang, der im Bewusstsein jedes einzelnen Menschen individuelle Wege nimmt. Diese dürfen nicht durch Überregulierung und Bürokratismus behindert werden. Die Reform des Bologna-Prozesses ist deshalb dringend überfällig. Es müssen Freiräume geschaffen und Druck gemindert werden, unter anderem dadurch, dass Anwesenheit nicht unpädagogisch erzwungen und kleinlich kontrolliert wird, dass Lehrpläne nicht überfüllt sind, dass die sog. workload und Leistungspunkte realistisch berechnet werden und dass Lehrende und Lernende sich gemeinsam um den Weg zur wissenschaftlichen Wahrheit bemühen.
Das Studium an einer Universität darf nicht durch Geldforderungen erschwert werden. […] So ist die Beteiligung von wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen an der höheren Bildung nur halb so groß wie die Beteiligung derjenigen, die über ein höheres Einkommen verfügen. Das ist nicht hinnehmbar. […]
Forschung und Lehre stellen eine Einheit dar. Qualitätvolle Lehre beruht auf qualitätvoller Forschung. Hervorragende Forschung und Lehre darf man deshalb nicht gegeneinander ausspielen. Exzellenzstreben darf auf keinen Fall Vorrang vor dem Anspruch aller auf gute Lern- und Arbeitsbedingungen haben.“

2. Autor lesen und sich wundern
Der Autor dieser Zeilen, die wir jederzeit gern unterschreiben würden, und die es bei jeder realpolitischen Argumentation unter Berufung auf humanistische Ideale zu verbreiten gilt, da sie den meisten schlecht geschriebenen und inhaltlich schwachen Protestaufrufen weit überlegen sind, ist Dieter Lenzen. Dieter Lenzen? Ja, Dieter Lenzen. Sein autoritärer Führungsstil hat ihn an der Berliner FU ebenso unbeliebt bei Mitarbeitern und Studierenden gemacht, wie seine Exzellenzpolitik, die u. a. die Diskriminierung „Langzeitstudierender“, die Verunmöglichung eines umfangreichen studium generale und die Zerschlagung der Einheit von Forschung und Lehre zur Folge hatte.

3. Nachdenken

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P.S. (3):
In Halle suchten Juso-BS-AktivistInnen schon den Überzeugungsdialog mit rechtsradikalen DB-Burschenschaftlern, nach Diskussionen, die „nicht ohne“ waren, kommt nun in Bayreuth nicht mal mehr eine Distanzierung gegenüber DB-Burschenschaftlern raus:
„Da die Stellungnahme der Thessalia zu Prag in Bayreuth keine antidemokratischen Äußerungen enthält, verbleibt sie zur Dokumentation der Diskussion auf unserer Homepage.“

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P.S. (4):
Ein gutes Beispiel – Forderungskatalog von „Unsere HU“
Die ersten drei Blöcke beinhalten sehr korrekte realpolitische Forderungen zur Verbesserung der Studiensituation, es werden mehr Mittel und mehr Personal oder z. B. billigere Kopien gefordert. Jede/r würde sie sicherlich sofort unterschreiben, doch sind sie Einforderungen von Verbesserungen innerhalb der bestehenden Verhältnisse, die systemaffirmativ argumentieren.
Doch dann das:
„Eine autonome Universität braucht selbstständige Individuen. Sie muss mehr sein als ein Ort der Wissensvermittlung und -verwertung. Die Universität soll in unseren Augen vielmehr den Raum für die freie Entfaltung [!] des autonomen Menschen [!] bieten und eine Atmosphäre schaffen, in der ungestörte und umfassende Bildung möglich ist. Wir glauben, dass dies eine Umgebung sein muss, in der die oder der Einzelne sich frei nach eigenen Interessen und Lebensentwürfen entfalten kann. Daher fordern wir, keiner Art von Diskriminierung in der Universität Raum zu bieten sowie sie vor wirtschaftlichen Profitinteressen und politischer Vereinnahmung zu schützen [!].“
Die Universität als autarke Korporation autonomer und mündiger Menschen (wo auch immer die herkommen sollen) – ohne Worte. Es wird gefordert – von den Verantwortlichen in einer von einem marktwirtschaftlich orientierten Staat finanzierten Universität – diese vor wirtschaftlichen Profitinteressen und politischer Vereinnahmung zu schützen. Ohne Worte! Fällt es Euch nicht auf? Es ist völlig absurd, im Anschluss an solche großen Worte auch noch eine „Aufstockung des Finanzvolumens für den Bildungsbereich auf mindestens zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts“ zu fordern, und dann auch noch zu konstatieren: „Über die Drittmittelfinanzierung von Forschung und Lehre muss unter viertelparitätischer Einbeziehung von Studierenden abgestimmt und regelmäßig evaluiert werden.“

Vom Kapitalismus, der kritisiert werden muss, haben die Protestierenden so wenig verstanden, dass selbst hohle unkritische Kommentatoren im Vergleich eine glänzende Analyse der Verhältnisse liefern…
„Denn nur so kann man den Anspruch aus der Welt schaffen, dass Bildung etwas mit Lernen – und damit mit Fleiß und Leistung – zu tun hat. Mit Leistung, die messbar sein muss – warum sollte die Gesellschaft sonst in Bildung investieren? Denn auch die Tatsache, dass Bildung etwas kostet und dass irgendjemand zur Deckung dieser Kosten bereit sein muss, dürfte unwiderlegbar sein, egal wie viele Begriffe aus dem Wörterbuch des Wohlstands-Antikapitalismus man dafür bemüht.
So wie der Strom nur scheinbar aus der Steckdose kommt, so kommt das Geld nicht einfach so vom Staat. Die Vermögenden und die Banken, die der Studentenprotest lustvoll gegen die Bildung ausspielt, sind es zum Beispiel, die dem Staat das Geld leihen, mit dem er Bildung für alle finanziert. Und das funktioniert, alles in allem, ziemlich gut. Die Diskrepanz zwischen Ideologie und Empirie bei den Studentenprotesten ist insofern frappierend – aber Zahlen und Fakten gelten einem emanzipatorischen Bildungssystem vermutlich als Ausdruck verabscheuungswürdiger Ökonomisierung.“

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P.S. (5):
An verschiedenen Unis gibt es – sehr bedenkenswerte und hoffentlich „reflexionsanregende“ – Kritik an den jeweiligen lokalen Protestkulturen, die unserer Meinung nach durchaus verallgemeinert werden können, da das Beschriebene allen unseren FreundInnen aus Halle, Leipzig, Potsdam, Berlin, Göttingen, Wien etc. bekannt vorkommt:
An die Studentinnen und Studenten der Universität Göttingen
Wir wollen über die Zustände im Bildungsstreik reden, Halle

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P.S. (6):
Einige AktivistInnen des Bildungsstreiks in Köln machen es uns wirklich leicht: Mit dem vorauseilenden Disclaimer „Dies ist als Parodie gedacht. Wir hoffen auf ein Lächeln und Verständnis für Humor!!!“ posten sie auf youtube ein Video, in dem AktivistInnen vor dem „entführten Weihnachtsbaum“ der Uni Köln im Stile einer militanten/terroristischen Gruppe posieren und Forderungen stellen. Nur eines haben sie nicht bemerkt – die Satire trifft nur sie selbst, und das schmerzhaft. Sie verlesen nämlich völlig ernsthaft einen bunten Strauß realer linker Forderungen, realer Forderungen der Bildungsproteste – freie Bildung für alle, keine Hausaufgaben (!!!), kostenloser Transport für alle, Zerschlagung der Saatgut-Mafia etc. Traurig, dass sie nicht merken, dass es für Erpressungen einen Ansprechpartner geben muss, und sie, wenn sie nicht an Gott glauben, die kapitalistischen Verhältnisse, innerhalb derer es nie dicke Mindestlöhne und freien Transport für alle geben wird, in ihrer Abstraktheit durchschauen und bekämpfen müssten. Doch dann kann man nichts entführen und keine Forderungen stellen. Wer „Life of Brian“ kennt, kennt auch den lächerlichen, sektiererischen und verkürzte Aktionismus der Judäischen Volksfront. Zu traurig, dass die Analyseleistung und der satirische Bruch, den die Monty Pythons in Bezug auf linke Bewegungen noch quasi als Mittler vollzogen, hier nicht vorhanden ist. Wie entlarvend das lustig gemeinte Satire-Video samt ihrer realen Forderungen in Bezug auf ihre krude Weltsicht ist, wird den MacherInnen leider nicht bewusst sein.

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P.S. (7):
In Wien rüstet sich der Protest für Weihnachten mit oder ohne „kapitalistische[m] Coca Cola Weihnachtsmann“. Was für Protest eigentlich? Hier geht es jedenfalls um die Weihnachtsfeier:
„# Kabarett: wir haben 2 Ideen für ein Kabarett: a) Der kapitalistische Coca Cola Weihnachtsmann und das weltoffenen Christkind streiten, wer dieses Jahr die Geschenke bringen darf; b) Gott ist das negativ Klischee eines Uni Profs, Judas versucht eine Diskussion zu beginnen, wird aber mit den Worten „mein Wort ist heilig“ ausgebremst und in den Selbstmord getrieben, nachdem er Jesus aus Wut an einen wütenden Mob aus radikalen Feministinnen ausgeliefert hat
# Forderungen als Fürbitten vortragen mit dem Schlusssatz: „Gio [Spitznahme des Bildungsministers; A.G.] erhöhre uns, sonst gehen wir nicht weg.“
[…]
# Alternative Mette: wir wollen versuchen, einen solidarischen Geistlichen zu finden, der für uns am 24 Dezember ein Predigt/ Vortrag hält
# Das Fest: wir brauchen bitte Sachspenden für eine gelungene Deko; selbstverständlich wollen wir auch für Punsch,Glühwein,Kekse und allem was sonst zu Weihnachten dazugehört sorgen“

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P.S. (8):
Der Text des extra gegen uns angelegten blogsports morgenrot bietet beste Steilvorlagen für unsere Kritik. Zwar lädt er schon bei Betrachtung seines hypokritischen headers mit Hammer, Sichel, Marx, Engels und Lenin neben der Losung „Sozialrevolutionäre Gedanken“ eher zum Abfeiern als zur inhaltlichen Auseinandersetzung ein, der Text ist jedoch nicht weniger unterhaltsam.
Weil KritikerInnen von Antisemitismus heute offensichtlich automatisch als „Antideutsche“ gelten, werden wir als „antideutsche Elitentruppe“ bezeichnet, die, „egal in welchem bereich Menschen zusammen für die konkrete Verbesserung ihrer Lebensbedingungen kämpfen, […] den teuflischen deutschen Bauernmob, der sich schon im nächsten Moment an einem Progrom gegen Juden beteiligen könnte“, entdecken. Das ist natürlich völliger Blödsinn, da wir im schlechtesten Falle die Naivität und Ignoranz der meisten ProtestlerInnen diffamieren wollen, und nur angesichts des Beifalls für das senile Gerede von der allmächtigen und internationalen Diktatur des Finanzkapitals berechtigterweise auf den Zusammenhang von verkürzter Kapitalismuskritik und Antisemitismus hinweisen.
Wenn wir wirklich glauben würden, dass wir es mit einem Bauernmob zu tun hätten, der jeden Moment ein Pogrom starten kann, würden wir nicht Texte schreiben sondern zu handfesten Gegenmaßnahmen greifen, bzw. notfalls auf den bürgerlichen Rechtsstaat und die Polizei vertrauen.
Wer im übrigen die wahnsinnige Vorstellung hat, dass mit der „Verschmelzung des Industriekapitals mit dem Geldkapital zum Finanzkapital nicht nur das Kapital anfing sich in wenigen Händen [!!!!] zu konzentrieren, sondern eben auch die daraus resultierende politische Macht“, sollte sich davor hüten, uns in unserer Analyse kumpelhaft Recht zu geben, und uns nur den Mangel an Glauben in die „soziale Bewegung“ vorzuwerfen. Wer keine Ahnung hat sollte, und das ist eine universale Weisheit, einfach mal keinen blog veröffentlichen.

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P.S. (9):
Dienstag, 08.12., FU Berlin: 101% Konformismus.
Die Jung“sozialistInnen“ luden ein. 500 Studierende „diskutierten“ ausgerechnet mit den beiden wichtigsten Vertretern einer Partei, die, wo sie an der Macht ist, auf jeden Fall keine Politik der „Bildung für alle“ macht, sondern sämtliche zu Recht kritisierten Negativentwicklungen im Bildungssystem mitzuverantworten hat. Die versammelten Studierenden applaudierten beim Eintreffen der Polit-VIPs wahrscheinlich vor allem sich selbst, erfuhren ihre narzißtischen Charaktere doch eine unheimliche Aufwertung. Das Gefühl, ernst genommen zu werden und wichtig zu sein äußerte sich in der vorwurfsvollen Frage eines Studenten, das geheuchelte Interesse der beiden Politiker sei ja wohl hoffentlich keine „Eintagsfliege“.
Ein Vertreter des Bildungsstreiks verlas zwar „Forderungen“, doch dann war „von Aufruhr oder gar Randale keine Spur, was schon allerhand ist für eine Uni, die mal als Hort der Studentenrevolte galt. Nicht mal als Gabriel für Langzeitstudiengebühren plädiert, rührt sich ein Mucks.“ Selbst der SpiegelOnline-Autor ist da noch verdutzt.
Die Zeit zum selben Thema: LINK


12 Antworten auf „Die gute Studigemeinschaft fordert: Vater Staat, rette die reine Bildung gegen das böse Abstrakte!“


  1. 1 arne 03. Dezember 2009 um 20:25 Uhr

    Schade, dass Du in deiner Kritik alle Protestierenden zu einer homogenen Masse vereinst. Es gibt sowohl StudentInnen, die im Rahmen des Bildungsstreiks auch die „Systemfrage“ stellen (Zustand), als auch solche, die lediglich die jetzige Situation der Studierenden und Lehrenden verbessern wollen (Missstand).

    Die aktuellen Proteste werden ja in der öffentlichen Wahrnehmung eher als „zu links“ denn als „zu angepasst“ charakterisiert und kranken an einer zu geringen Beteiligung der restlichen StudentInnen.

    Auch würde ich in Frage stellen, dass „die Aufgabe auch jedes staatlich organisierten Bildungswesens […] die Produktion von Fachkräften für den Arbeitsmarkt“ ist. In einem solchen System würde es die meisten „Orchideenfächer“ nicht geben, da sie oft nur den eigenen Nachwuchs bzw. das zukünftige Kulturprekariat oder Taxifahrer ausbilden.

    @ Arne: Wir denken nicht, dass es auf die Qualität der Argumentation der Protestierenden hindeutet, wenn die Öffentlichkeit irgendwas als „zu links“ bewertet (- und das ist uns auch neu). Was heute als links gilt, ist nicht unbedingt eine konsequente und radikale Kritik herrschender Verhältnisse, sondern – z.B. auf der Bildungsstreikdemo in Berlin – das unreflektierte Parolengegröle und Pseudomilitanzgehabe autonomer Kiddies oder der platte „Antikapitalismus“ von VoküaktivistInnen, der seinen Namen nicht wert ist.
    Sicherlich gab es vor der Bachelorisierung etwas mehr Räume und Möglichkeiten des interessengeleiteten Studiums, und deren Verschwinden kritisieren wir ebenso wie bspw. vor kurzem Magnus Klaue in der Jungle World aber eben nicht in dem Ausmaß, wie heute idealisierend suggeriert wird. Da die ersten Absätze zur „Ökonomisierung“ ansonsten alles zusammenfassen, wollen wir uns hier nicht wiederholen. Grüße, die FreundInnen vom Freundeskreis

  2. 2 postidentitaer 04. Dezember 2009 um 3:21 Uhr

    ich war vor ein paar jahren selbst an studentischen protesten beteiligt und auch damals war schon nicht alles gold. aber mittlerweile klingen die forderungen der studierenden beinahe so, wie das was damals die angebote der politik waren. überall ist von besseren bildungsmöglichekeiten und mehr geld für bildung die rede, forderungen, die sich als steilvorlage für die forderung nach bzw. verteidigung von studiengebühren entpuppen. und wofür werden diese verbesserungen denn überhaupt gefordert? in den meisten fällen doch vor allem, weil die individuelle perspektive auf dem arbeitsmarkt verbessert werden soll.

    vor ein paar jahren wurde noch grundsätzlich kritisiert, dass bildung immer mehr zur ausbildung wird und die universitäten immer stärker durchökonomisiert. das scheinen student_innen heute gar nicht mehr so schlimm zu finden. was die meisten (nicht alle) wollen ist einfach eine bessere universität. böse gesagt: sie wollen nur, dass das system besser funktioniert und ignorieren dabei, dass das nichtfunktionieren des systems nur scheinbar ist, weil es in wahrheit vollkommen der kapitialistischen logik entspricht, wenn bildung zur ware wird und diejenigen, die diese ware erwerben wollen, für diese auch zahlen müssen und sich im besten falle verschulden, damit sie auch ja gezwungen sind möglichst bald zu egal welchen bedingungen zu arbeiten. die intelektuelle reservearmee von morgen…

    um es mit einem satz zu sagen: wer den kapitalismus nicht in seiner gänze kritisiert, dessen kritik ist keine kritik, sondern bloße affirmation des status quo.

    @postidentitaer (btw: identitäten überwinden, geht das so einfach?)
    Hallo, um es mit einem Satz zu sagen: Du hast ein paar richtige Punkte entdeckt, die bei großen Teilen der Protestbewegung problematisch sind, kritisierst aber, dass sie es anders falsch machen, als Du es tun würdest. Dein letzter Satz, wonach diejenigen, deren Kritik den Kapitalismus nicht in seiner Gänze angreift, die Verhältnisse affirmieren, ist ja genau unser Punkt. Nur wieso bläst Du dann ins Horn der „Ökonomisierung“ der Bildung, die plötzlich zur Ware werde, und reproduzierst damit genau das, was wir oben ausführlich aus genau diesem Grund kritisieren? Offenbar bist Du vielen Protestierenden doch näher, als Du denkst.
    Beste Grüße, FreundInnen des Freundeskreises

  3. 3 malte 04. Dezember 2009 um 18:43 Uhr

    hi zusammen,

    die „kritik“ des freundeskreises ist in weiten teilen ihrer
    zielrichtung wahllos, weil sie irgendwie alles und jede_n kritisiert.
    der text hat inhaltliche schwächen. die wichtigste besteht darin, dass er keine handlungsansätze für eine antikapitalistische praxis aufmacht, sondern beim apodiktischen *das bringt doch alles eh nix* verharrt.

    @ malte: Theorie ist für Dich offensichtlich schon mal gar keine Praxis?! Wenn Du der Meinung bist, Kritik sei ein Verbesserungsvorschlag, oder nur gerechtfertigt, wenn man die bessere Lösung des Problems in der Tasche hat, siehst Du die Dinge gänzlich anders als wir. Konsequente negative Kritik, die Analyse und Diffamierung falschen Handelns, ist für uns gerechtfertigt, und regt zumindest implizit zum Nachdenken an – da kommen also selbst aufklärerisch-pädagogische Ansprüche auf ihre Kosten.

    „Was wird von den AktivistInnen kritisiert? Der bundesweite Aufruf zum Bildungsstreik gibt Aufschluss“
    wieso gibt der bundesweite aufruf, der als vorschlag für lokale
    bündnisse von einer projektgruppe erarbeitet wurde, „aufschluss“ über „die aktivistInnen“?

    @malte: Warum haben die meisten Blogs und Seiten entweder das Layout und das Logo oder den Namen von Bildungsstreik2009 übernommen? Warum finden sich nahezu alle lokalen Bündnisse/ Gruppen als „Teile“ des ganzen auf der Bildungsstreik-Seite? Warum gibt es so erschreckend wenig inhaltliche Texte, dass man froh ist, wenn man mal einen findet?

    im text werden überhaupt fast durchgehend keine quellen genannt.
    eine veranstaltung mit jean ziegler im besetzten audimax der uni wien
    muss herhalten für die „österreichischen studierenden“. silvio gesell-
    lesekreise finden „bspw.“ in halle statt – wo noch?

    @ malte: Das ganze scheint uns eher essayistischer Flugblattstil zu sein, und da haben wir auf Fußnoten verzichtet. Wir schicken Dir die Quellen gerne per mail zu.

    „Auch die „Streik“-Semantik verweist darauf, dass die angeblich von
    den AktivistInnen kritisierte Vorstellung von „Ausbildung“ von diesen
    längst internalisiert worden ist, werden doch eigene Lern- und
    Aneignungsprozesse „lahmgelegt“, diese also eindeutig nur als
    Humankapital zukünftiger Marktteilnehmer wahrgenommen.“
    ich sehe das anders. die „streik“-metapher besitzt zumindest ein
    semantisches potential dafür, eine brücke in der politischen praxis zu
    arbeitskämpfen in betrieben zu schlagen.

    @ malte: Semantisches Potential…? Unsere Lesart finden wir da überzeugender.

    „Der gesellschafts- oder kapitalistismuskritische Anspruch wird jedoch
    – sein Fehlen in allen Aktionen der AktivistInnen beflissen
    ignorierend – immer wieder von diesen betont und damit selbst ein die
    Zustände grundsätzlich affirmierender realpolitischer Anspruch der
    Lächerlichkeit preisgegeben.“
    es liegt eine fehleinschätzung vor. ein „gesellschafts- oder
    kapitalismuskritischer Anspruch“ ist meiner vermutung nach bei vielen
    noch gar nicht vorhanden, aufgrund dessen, dass das wissen darüber
    fehlt, welches sich erst angeeignet werden müsste. wieso es ungut sein
    soll, einen die “ Zustände grundsätzlich affirmierender
    realpolitischer Anspruch der Lächerlichkeit preisgegeben“, erschließt
    sich mir nicht. gut so, wenn es passiert.

    zur revolution bedarf es einer pluralen revolutionären theorie und
    einer pluralen revolutionären praxis und umgekehrt. an dieser stelle
    liefert der text garnichts, er ist sogar blind dafür. die einzige
    schlussfolgerung bleibt das „nachdenken über
    gesellschaftsverhältnisse“.

    @ malte: Große Worte, die in deinem übernächsten Absatz im Sinne der wechselseitigen Lächerlichmachung etwas lächerlich gemacht werden..

    genau dies passiert – anders als die autor_in(nen) kann ich nur von
    der besetzung an der uni potsdam sprechen – bei uns unter anderem in
    einer „ag gesellschaftskritik“, die sich zweimal wöchentlich trifft,
    in einem wöchentlichen adorno-lesekreis und hoffentlich bald auch noch
    anderweitig.

    unser als „pfadfinderkollektiverlebnis“ diffamierte gemeinsame
    solidarische zusammenleben als freie assoziation arbeitender und
    faulenzender menschen, bei dem geld eigentlich keine rolle mehr
    spielt, ist in meinen augen für eine veränderung des bewußtseins nicht
    zu unterschätzen.

    @ malte: Bei Eurer „freie[n] assoziation arbeitender und faulenzender menschen“ spielt Geld keine Rolle mehr? Denk doch mal kurz nach, und rede angesichts solch gigantischer Naivität nicht davon, dass wir auf dem „Ponyhof“ leben würden.

    ich würde mich freuen, mal auf den kommunistischen ponyhof eingeladen
    zu werden, auf dem die autor_innen wohnen, weil sie so in gänze das
    falsche bewusstsein abgelegt zu glauben haben. davor bleibe ich
    pfadfinder in potsdam und nehme gerne an den nächsten
    gruppenkuschelleserunden gegen die kälte teil.

    die forderung einer öffnung der hochschulen für *alle*, die in vielen
    protesten an zentraler stelle steht, geht über humboldt weit hinaus.

    @ malte: So sagen wir das auch.

    auch hier kommt es in erster linie auf eine praktische umsetzung an -
    wie erreichen wir bislang >bildungsferne

    @ malte: ?

  4. 4 Dummer Studi 05. Dezember 2009 um 14:36 Uhr

    Ja alles klar, wie geil und was für ein Niveau! Mal ehrlich, wen interessiert denn euer Adorno Pimmellutscherei eure heiligen Theoretiker, ihr habt dohc nie euren Fu0ß aus eurem Elfenbeinturmwohnzimmer rausgesetzt und mal auf der Straße den Mann gestanden. Spalter fuck off mit eurer pseudo-intellektuellen sScheiße!

    @ Dummer Studi (…):
    Also wir wollen ja nicht dein anti-(pseudo)intellektuelles Ressentiment bestätigen, aber eigentlich wollen wir gerne mit Freud nochmal kurz deine angegebene URL wiedergeben: http://www.adornoistmeinpimmelmann.de. Wow! Neben dem Vorwurf der Adorno Pimmellutscherei (das geht schon allein deshalb nicht, weil der tot ist) ist das doch mal die Krone des „Ich- sage-zwanzig-mal-mehr-über-mich-aus-als-über-das-Kritisierte“-Kommentars. Daher bleibt Deine völlig infantile Scheiße auch stehen.

    Beste Grüße, die SpalterInnen vom Freundeskreis

  5. 5 Dozent 05. Dezember 2009 um 22:58 Uhr

    Interessant an diesem ganzen Kritik-Kritik-Kritik-Gehabe ist in erster Linie der Umstand, dass es anscheinend bei jedem „Streik“ solche Bibelrunden gibt, die sich für intellektuell halten, wenn sie mal irgendwas von Adorno gelesen haben und das dann immer und immer wiederkäuen.

    Das sind diese Leute, die bei mir im Seminar sitzen und ihre Hausarbeiten bzw. Essays seit Jahren mit den gleichen wohlklingenden Phrasen zu bestreiten versuchen und neben aller schönen Worthudelei nicht mitbekommen, dass die ständige Wiederholung von irgendwo Angelesenem null Erkenntnisgewinn zeitigt. Auswendiglernen und Wiedergabe dessen ist zwar auch eine Leistung, aber eine besonders „intellektuelle“ ist es nicht.

    @ dozent:
    Holla die Waldfee! Der nächste kommt uns mit Adorno, wie schon vorher auf etwas tiefergelegterem Niveau der Kollege mit dem Adornopimmel. Was uns eigentlich nur daran wundert, mit Adorno kommen ausgerechnet ihr, in unserem ganzen Text und auch in den Anmerkungen findet sich dessen Name nicht ein mal. Und zwar hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass bei vielen Streiks und von uns aus eben auch bei vielen StreikritikerInnen mit Adorno nur so um sich geworfen wird, als wäre das Aussprechen seines Namens schon mit Erkenntnisgewinn verbunden. Wirklich gelesen und reflektiert haben seine Texte aber nur die wenigsten, sonst wüssten sie, dass man manchmal auch einfach Marx, Agnoli oder Schnatterinchen zitieren könnte, wenn es um Gesellschaftskritik geht, und dass man manches auch einfach mit eigenen Worten ausdrücken kann. Da wir aber genau letzteres machen, und nicht denken, dass es schon ein Fauxpas ist, überhaupt ein nettes Zitat zu bringen, können wir Deinen Kommentar nicht ganz verstehen. Und das ist uns peinlich, schließlich verweist Du ja schon mit dem von Dir gewählten Namen auf eine gewisse Position in der akademischen Hierarchie. Aber egal, seinen wir mal ehrlich – auch ohne zu erwähnen, dass wir aufgrund unserer inhaltlichen Ablehnung der „Streiks“ dort an keinem einzigen „Bibelkreis“ beteiligt waren, macht Dein Kommentar einfach nur gar keinen Sinn. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Suche nach Deinem, also Bernd K.s Namen nur dutzende sinnlose Leserbriefkommentare von taz bis Morgenpost zu Tage bringt, und keine Uniseite. Ist also auch noch alles Dozentengehabe konformistischer Wunschtraum?

    Mitleidige Grüße, die FreundInnen vom Lesekreis

  6. 6 Thomas Fabeck 06. Dezember 2009 um 1:23 Uhr

    Lieber Freundeskreis,

    Ihr habt Recht, wenn Ihr sagt der Bildungsstreik sei noch nicht da angekommen wo er ankommen soll. Es stimmt auch, dass der Streik, wenn er erfolgreich sein will ein bestimmtes Maß Kapitalismuskritik mit einbeziehen muss. Das wissen auch alle.

    @ Thomas:
    Schon mal kurz zum Kern der Sache. Man muss nicht für einen „erfolgreichen“ Streik (was soll das sein?) ein „bestimmtes Maß Kapitalismuskritik mit einbeziehen“. Wenn das alle wissen, dann Gute Nacht. Es geht hier nicht darum, dass, wie es die meisten machen, der kapitalistische Staat dafür gerügt werden soll, dass er sich so verhält, wie ein kapitalistischer Staat sich nun einmal verhält. Es ist total logisch und folgerichtig, was für Entwicklungen gerade stattfinden, auch im Bildungssystem. Deshalb braucht man keine Verbesserungs-und Umverteilungsvorschläge, wie es aber alle BildungsprotestlerInnen machen, auch kein „Maß“, sondern grundsätzliche Kritik der kapitalistischen Verhältnisse, die diese Zustände zwangsläufig „produzieren“. Nur darum geht es, und wir wiederholen uns langsam.

    Trotzdem schwebt unser Bildungs-K-Wort wie etwas Unaussprechliches über den Protesten. Und das nicht zu Unrecht. Es ist nämlich schwierig mit einem neuen Gesellschaftskonzept das komplexe Etwas, das uns umgibt, abzulösen. Es muss ja nicht gleich ein neues System sein, werden manche sagen. Aber auch der Versuch kleiner Änderungen scheint Angesichts der ineinander greifenden Abläufe und Vorgänge aussichtslos. Daher ist es kein lohnender Ansatz das Fadenscheinige und Unausgereifte der Proteste darzustellen. Wenn man nämlich an den Streik glauben will, als ein Teil des „Streiks“– nicht als Beobachter von oben- und erkennt, dass man nicht nur gegen Bildung streiken kann, sondern gegen viel mehr bzw. alles was damit verwoben ist, dann kann man sich nicht mit negativer Kritik der Umstände zufrieden geben. Ich unterstelle euch nicht, dass Ihr euch nicht um den Streik schert. Ich glaube sogar, dass Ihr versucht durch eure Kritik dem Streik zu helfen. Dieses eure Vorgehen ist meiner Meinung weder einem der Streikenden, noch den Protesten insgesamt, sondern nur eurem eigenen Weltbild eine Hilfe. Ihr redet von Inhalten. Ich will sie hören. Es gibt im Moment genug Themen, die angesprochen werden müssen: . Die Zeiten des Zynismus und des Eigene-Eier-Schaukelns sind vorbei.

    @ Thomas:
    Lieber Thomas, die Eier schaukeln wir gerne, egal welchen Geschlechts, was soll da Schlimmes dran sein. Aber wie auch immer, wir wissen nicht so ganz, was Dein kryptisches Gerede vom Bildungs-K-Wort uns sagen will, vermuten nur, dass Du die Widersprüchlichkeit in der Argumentation vieler BS-Bündnisse, die wir ansprechen, nicht erkannt hast. Das, was Du gerade zusammengeschrieben hast, verweist nicht auf ein tieferes Verständnis der herrschenden Verhältnisse, auch wenn Du kumpelhaft meinst:“Zeit, Freiheit, Gerechtigkeit, der Wert des Geldes. Ihr wisst wovon ich rede.“ Nein, wissen wir nicht.
    Du schreibst, wenn „man nämlich an den Streik glauben will, als ein Teil des „Streiks“[…] und erkennt, dass man nicht nur gegen Bildung (!) streiken kann, sondern gegen viel mehr bzw. alles was damit verwoben ist (?!), dann kann man sich nicht mit negativer Kritik der Umstände (!) zufrieden geben.“
    Mal ganz ehrlich, wir reden oben von der undialektischen Verwendung des Bildungsbegriffs, und Du glaubst sogar, dass hier gegen Bildung gestreikt wird? Und gegen das „was damit verwoben ist“? Keine Ahnung, was wir mit Deinem Kommentar anfangen sollen, aber am ehesten würden wir dafür plädieren, dass Du unseren Text und alle auf der Startseite verlinkten Texte nochmal durchliest. Und dann fängst Du hier von vorne an.

    Beste Grüße, die FreundInnen vom Freundeskreis

  7. 7 Thomas Fabeck 06. Dezember 2009 um 12:16 Uhr

    Leute,

    wenn Ihr keine Lust habt euch mit irgendetwas anderem als euren vorgefertigten Denkweisen auseinanderzusetzen dann braucht Ihr keinen Blog aufmachen.

    @ Thomas:
    ??? Denkweisen sind nie vorgefertigt. Und mit Denkweisen, die nicht unsere sind, setzen wir uns auf dem ganzen Blog auseinander. Hör auf zu posten, es wird nicht besser, und zu Deinen einfach falschen Aussagen ist eben wirklich schon alles gesagt worden, ohne dass Du Dich offensichtlich damit auseinandergesetzt hast.

    Die FreundInnen vom Freundeskreis

  8. 8 MachMut 07. Dezember 2009 um 14:44 Uhr

    Hm, der nicht pimmellutschenwollende „dumme Student“ kann nicht und ihr wollt offenbar nicht, dass er es irgendwann kann.
    Ist es nicht so, dass schon einiges an Zeit und Aufwand dazu gehört, sich um das Kapital, die frühen und späten kritischen Theoretiker bis hin zu postmodernen Theorien zu bemühen (lat. studere)? Begriffe wie Zirkulationsebene, Basis, Überbau, (Staats-)Kritik und/oder verkürzte (Kapitalismus-)Kritik, oder, von mir aus, ein Name wie Gesell bedürfen des Studiums und der Reflektion und, last but not least, der Kontemplation. Was für ein dialektischer Zusammenhang! Augenblick, ich will kurz mal an meinem nicht vorhandenen Pimmel kontemplieren, oh! ein Neologismus.

    Im Ernst: Die Bildungsstreik Menschen müssen nicht alles intellektuell verstanden haben, um zu protestieren, oder haben die Protestierenden im Iran alles verstanden? Meiner Meinung nach ist es vorerst ausreichend, dass die Bildungsstreik Menschen ein Unbehagen darüber verspüren, dass der Bologna Prozess sie noch mehr zu Objekten bzw. zur Ware werden lässt, wie es vorher –von euch plausibel dargestellt- ohnehin schon der Fall war.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es Euch tatsächlich genuin um die Sache geht, oder, ob da vielleicht nicht doch ein gewisser elitärer wohlstandslinken Impetus in eurer Kritik mit anklingt, um Euch vom „Pöbel“ abzusetzen.

    @ Mahmoud:
    Naja, vom Pöbel absetzen wäre hier der falsche Ausdruck, da die von uns Kritisierten wahrscheinlich nicht mehr und nicht weniger „wohlstandslinks“ (hört, hört!) sind, als wir. Ansonsten danke für Deine Anmerkungen (- die allerdings ebenfalls, um auf der von Dir gewählten metaphorischen Ebene zu bleiben, nach intellektuellem Schwanzvergleich aussehen, vor allem der Teil von Kapital bis Neologismus.) Aber ganz ehrlich: Man sollte unserer Meinung nach auch über Theorie reden und Fremdwörter benutzen dürfen, ohne gleich „elitären wohlstandslinken Impetus“ vorgeworfen zu kriegen. Und das ist ja sicherlich auch in Deinem Interesse…
    Ansonsten ist es durchaus unser Ansatz, Leute, die manches in unseren Augen „noch nicht verstanden“ haben, zum Verstehen zu bewegen, und eine gute Packung Kritik regt wohl jede/n zum Denken an. Also denn,

    die FreundInnen des Freundeskreises

  9. 9 millie 07. Dezember 2009 um 19:27 Uhr

    danke!!!

    @ millie:
    ??? bitte!

  10. 10 Benh 10. Dezember 2009 um 23:54 Uhr

    Zum Vorwurf der Klassenfahrt-Pfadfinderromantik und speziell zum Zitat aus dem Potsdamer Plenumsprotokoll. Ich habe das Protokoll geschrieben und erkläre mich für den Lagerfeuernostalgie-Stil verantwortlich. Solche Formen praktizierter Gemeinschaft sind wichtig für eine funktionierende Besetzung. Gleichzeitig unterstütze ich aber die grundsätzliche Forderung in eurer Analyse, den Bildungsprotest zu einem fundamental gesellschaftskritischen Protest weiterzuentwickeln und kann mit allen Argumenten auch mit dem der infantilen Außenwirkung eines Bildungs“streiks“ mitgehen. Gruppenkuscheln und Kommunismus schließen sich aber wie wir alle wissen keineswegs aus.

    Nehmt bitte deshalb das Zitat aus unserem Protokoll aus dem Anhang zu eurem Artikel raus, es schießt in die falsche Richtung (sogar gegen solche, die Vertreter_innen eures Ansatzes sind), verzerrt erstens die dahinterstehende inhaltliche Idee des TOP und zweitens kann es in keiner Weise dazu dienen, die Argumente im Text zu stützen. Dafür gibt es in der Bewegung eindeutig bessere Beispiele.

    @ Benh: Wir freuen uns, dass Du die Kritik nachvollziehbar und überdenkenswert findest, halten das Beispiel aber trotzdem für angebracht, da sicherlich Kuscheln und Kommunismus zusammengehören mögen, im Bildungsstreik jedoch nur gekuschelt und gemeinschaft zelebriert wird, ohne Kommunismus zu denken. Dass kann man schnell mal als Phrase hinwerfen, bedeutet jedoch dann gar nichts.
    Aufklärung hat jedenfalls was mit kritischer Selbstreflexion, Individualität und der Abneigung gegen Selbstkollektivierungen in jeglichen Gruppen, Kollektiven bzw. Gemeinschaften zu tun, und diesbezüglich ergänzt Dein Kommentar zur ‚praktizierten Gemeinschaft‘ Euer Protokoll sehr gut.

    Beste Grüße, die FreundInnen vom Freundeskreis

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